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Mongolei – Land der Rekorde

Wer war bereits schon mal in der Mongolei? Wir nicht, dafür Luca Scheuring, welcher für uns und euch einen wunderbaren Gastbeitrag über dieses tolle Land geschrieben habt.

Abschalten und ab ins Grüne

Die Mongolei ist flächenmässig 38 Mal so gross wie die Schweiz, hat aber nur etwa 3 Millionen Einwohner (wovon 40% in der Hauptstadt Ulaan Baator leben). Es verwundert daher wenig, dass das von Russland und China umschlossene Land das am wenigsten dicht besiedelte Land der Welt ist. Pferdefreunde werden erfreut sein zu hören, dass in der Mongolei mehr Pferde als Menschen leben. Dabei war das mongolische Imperium zu Zeiten von Dschingis Khan im 13. Jahrhundert noch riesiger: Es reichte von der koreanischen Halbinsel bis nach Ungarn und war somit das grösste Landreich der Geschichte (man kann denn auch etwas Wehmut heraushören, wenn Mongolen über diese Epoche erzählen – aber hey, sie sind ja nach Kasachstan immer noch das zweitgrösse Binnenland der Welt, es gibt diesbezüglich also wenig zu jammern, denkt sich der Schweizer).

Für alle von Dichtestress, Email- und News-Flut geplagten Zeitgenossen bietet sich das Land daher als ideale Reisedestination zum Durchatmen, zur Entschleunigung und für “Digital Detox” an. Aber auch Naturliebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Pferde- und Schafnarren droht gar eine Überdosis an Entzücken.

In unserem Fall entstand das Interesse an diesem Land durch die Schilderungen von drei mongolischen Austauschstudentinnen, welche bei meinen Eltern zu Gast waren. Der Umstand, dass es in der Mongolei (noch) keinen Massentourismums gibt, sprach zusätzlich für eine Reise.

Wie bereist man so ein Riesenland?

Für eine wenige Wochen dauernde Rundreise durch das ganze Land ist dieses schlicht zu gross – man wird sich auf eine oder ein paar wenige Regionen beschränken müssen. In unserem Fall war dies die Zentral- und Nordmongolei. Die transsibirische bzw. transmongolische Eisenbahn fährt auf ihrer Strecke von Moskau nach Peking zwar mitten durch die Mongolei. Daneben existiert aber praktisch kein Schienennetz, entsprechend schlecht eignet sich der Zug als Transportmittel. Die Wahl fällt daher auf Busse, Minivans und Jeeps (oder auch auf Inlandflüge für grössere Distanzen).

Den Landrover am Flughafen bei Sixt abholen und losdüsen ist aber keine gute Idee, ausser man hat entsprechende Erfahrung mit Überlandreisen und gutes Kartenmaterial (und natürlich GPS). Bei vielen Strassen in der Mongolei handelt es sich um Pisten oder viel mehr um Spuren im Gras, es gibt praktisch keine Markierungen und Wegweiser.

Zudem gibt es viele Flüsse zu durchqueren und Schlammstrecken zu meistern – sprich: unzählige Möglichkeiten, stecken zu bleiben oder eine Panne zu erleiden. Ein Auto zu mieten heisst daher einen (alten russischen) Jeep mit Fahrer anzuheuern (was interessanterweise günstiger ist als ein Auto ohne Fahrer…) – idealerweise zusammen mit anderen Reisenden. Zudem gibt es viele kleine und grössere Anbieter von Jeep-Touren. Wir haben uns für eine Überlandbustour des englischen Anbieters Dragoman entschieden.

Die beste Reisezeit für die Zentral- und Nordmongolei ist übrigens Juni bis August – dann ist das Wetter meist angenehm warm (zum Teil gar sommerlich heiss) und trotz Regenzeit nicht zu nass. In den höher gelegenen Gebieten können die Temperaturen aber in der Nacht nahe an den Nullpunkt zurück gehen – warme Kleider und auch gute Regenausrüstung sind ein Muss.

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Dragoman – “Es ist die Reise, nicht nur die Destination”

Seit 1981 entsendet Dragoman ihre charakteristisch orange-weissen Vehikel nach Afrika, Amerika und Asien. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um umgebaute Lastwagen. Gut 20 Reisende finden Platz im Bus, welcher mit allem fürs Überleben fernab der Zivilisation ausgerüstet ist: Zweierzelte, eine umfangreiche Kochausrüstung, Vorräte, Kühlschrank, Stühle und Tische, Frischwassertank sowie jede Menge an Ersatzteilen und Werkzeuge fürs Fahrzeug. Ein Highlight sind die sogenannten “Roof Seats” – bis zu acht Personen können gleichzeitig auf ins Dach integrierten Sitzen Platz nehmen und so den Fahrtwind und die Aussicht von ziemlich weit oben geniessen (dies ist aber nur Abseits von asphaltierten Strassen erlaubt).

Gesteuert wird das Vehikel (unseres hatte den schönen Namen “Rashida”) von zwei Dragoman-Mitarbeitern – in unserem Fall von einem supercoolen englischen Pärchen. Mit dabei ist auch immer ein lokaler Guide, welcher in der Mongolei auch als Übersetzer unersetzlich ist.

Mit Dragoman zu reisen heisst in einer Gruppe zu reisen – für uns war dies das erste Mal. Zudem muss man mit anpacken – es gibt diverse “Truck Jobs”  sowie Kochgruppen, zu welchen man eingeteilt wird.

Wer mit Dragoman reist, muss auch jederzeit mit Verzögerungen und Planänderungen rechnen. Zwar sind die Dragoman-Mitarbeiter dafür ausgebildet, so ziemlich jeden Defekt am Fahrzeug selber reparieren zu können. Aber das kann dauern (wir blieben zum Glück verschont von Pannen). Zudem besteht eine fast 100 prozentige Garantie dafür, dass man entweder im Schlamm oder Sand stecken bleibt, was bei uns zum Glück nur einmal passiert ist.

Der Slogan “It’s the Journey, not just the Destination” kann einem also sehr schnell in der Realität einholen und gehört einfach zum Reisen mit Dragoman. Für Spannung sorgen auch die zahlreichen Flussdurchquerungen (teilweise weil die vorhandenen Holzbrücken für den tonnenschweren Truck als zu fragil wirkten, aber oft weil es schlicht keine Brücken gab).

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In unserem Fall hatten wir zur Hälfte in Jurtencamps und zur anderen Hälfte im Zelt übernachtet.

Jurtencamps kann man sich ähnlich wie Campingplätze vorstellen, einfach einiges idyllischer. Pro Jurte finden sich zwei oder vier Betten sowie immer auch ein Holzofen in der Mitte.

Es gibt Sanitär-Container mit WCs und Duschen. Diese Camps servieren auch Frühstück und Abendessen. Sehr komfortabel also. Etwas weniger komfortabel, dafür umso idyllischer ist das Campieren in der Wildnis. Auf Dusche und WC muss man da verzichten, dafür kann man sein Zelt inmitten der unberührten und unendlich weiten Landschaft aufrichten. Und am Abend am Lagerfeuer die vielen Sterne bestaunen.

Die genaue Route der dreiwöchigen Tour findet man hier.

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50 Shades of Green und weitere Highlights

Am eindrücklichsten für mich war die Weite der Landschaft – und all ihre Grüntöne. In gewissen bewaldeten Tälern fühlte man sich zeitweise wie im heimischen Jura Gebirge – nur dass halt hinter dem Hügel nicht gleich die nächste Ortschaft sondern einfach zehn weitere Hügel liegen. In anderen Tälern wähnte man sich in der Serengeti – mit wunderschönen, mäandrierenden Flussläufen. Und wieder etwas weiter stapften Kamele durch die Hügellandschaft.

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Weitere Highlights:

  • Sonnenauf- und -untergänge: Hobby-Fotografen werden geradezu mit “Magic-Light”-Momenten verwöhnt. Ein kurzer Fussmarsch auf den nahen Hügel wird mit spektakulären Aufnahmen belohnt. Keine Angst vor Gegenlicht!

  • Auf der Fahrt übers Land kommt man an zahlreichen nomadischen Familien vorbei, welche ihre zwei, drei Jurten aufgeschlagen haben und und mit ihren Tieren solange bleiben, bis das gute Gras weggefressen ist. Die Menschen sind sehr freundlich (und jeweils sehr erstaunt ob dem merkwürdigen Dragoman-Vehikel).

  • Entlang der Route gibt es viele Klöster, Tempel und Museen zu besichtigen. Zum Teil sind sie nur mit einer Wanderung zu erreichen.

  • In der Mongolei gibt es zahlreiche (inaktive) Vulkane und Vulkanlandschaften, welche man begehen kann. Vor ein paar tausend Jahren kam es zu einem grossen Erdbeben, welches riesige Schluchten in die Landschaft gerissen hat, in welchen heute Flüsse fliessen und sich Wasserfälle herunter stürzen.

  • Ein Highlight sind die “Hot Springs” – heisse Quellen, welche es den nahegelegenen Jurtencamps ermöglicht, kleine Outdoor-Spa-Anlagen anzubieten. Sehr willkommen, wenn man nach ein paar Tagen ohne zu duschen dort ankommt.

  • Noch mehr “Spa” bieten Seen – z.B. der Khövsgöl Nuur, welcher fast so gross wie die Schweiz ist. Im Winter friert er bis zu 1.5m dick ein, so dass die Lastwagen auf dem Weg nach Russland die Abkürzung über den See wählen. Leider ist er auch im Sommer noch eher kühl, das Baden daher nichts für Zartbesaitete.

  • Greifvögel und Edelweisse: Beides gibt es in der Mongolei à discrétion. Adler, Geier, Bussarde und Milane sind ständige Begleiter während der Reise und kreisen teils fast bedrohlich über einem. Und insbesondere Schweizer werden entzückt sein ob den Millionen von Edelweissen.

  • Zwischen dem 10. und 13. Juli findet das jährliche Naadam-Festival statt. Es handelt sich um einen traditionellen Outdoor-Sportwettkampf, welcher in den grösseren Orten sowie auch auf dem Land ausgetragen wird. Die Disziplinen umfassen: Ringkampf, Bogenschiessen, Pferderennen sowie Schafknöchel-Schnippen (ein Geschicklichkeitsspiel).

  • Ulaan Baatar: Gewiss kein Geheimtipp für eine Städtereise – dafür bietet die Hauptstadt zu wenig Attraktionen (eindrückliche Plätze, Tempel sowie ein gutes Museum gibt es jedoch schon zu besichtigen). Aber nach einer dreiwöchigen Überlandrundreise macht ein Cappuccino sowie ein Hotelbett einfach glücklich. Auch gibts “Mongolian BBQ” zu essen (lustigerweise hat das Gericht überhaupt gar nichts mit der Mongolei zu tun, sondern stammt aus Taiwan).

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Werde ich auf so einer Reise zunehmen?

Kaum. Die Mongolei hat vieles zu bieten, kulinarisch darf man jedoch nicht allzu viel erwarten. In einem Land, dass zum grössten Teil aus Steppe besteht, welche von Herbst bis Frühling mit Schnee bedeckt ist, lässt sich wenig anpflanzen. Gras für Schafe und Kühe gibt’s aber mehr als genug, entsprechend fleischlastig ist das Essen. Selbstredend auch, dass alles vom Tier verwertet wird. Statt an Lammfilet (Mongolen essen keine Jungtiere) sollte man eher an Schafeintopf denken. Teigtaschen und Nudelgerichte sind ebenfalls häufig anzutreffen und schmecken lecker. Legendär ist auch “Airag” – vergorene Stutenmilch. Diese ist tatsächlich sehr gewöhnungsbedürftig, soll aber gemäss den Einheimischen alle möglichen Krankheiten heilen. Wird einem davon bei einem Jurtenbesuch angeboten, wäre es sehr unhöflich, abzulehnen. Mehr als einen kleinen Schluck muss man denn aber auch nicht trinken.

Vegetarier werden bald lernen, dass “Vegetable Soup” bedeutet, dass es neben Schaffleisch auch noch ein bisschen Gemüse drin hat. Ein Übersetzer kann bei der Bestellung in einem Restaurant daher gute Dienste leisten.

Auf unserer Tour mit Dragoman haben wir oft selber gekocht. Das spärliche Angebot an frischen Lebensmittel in den “Supermärkten” machte das Kochen nicht selten zu einer Herausforderung. Entsprechend oft gab es Reissalat mit Gemüse aus der Konserve. Über dem Feuer gegrillte Yakfleisch-Spiesse wägten dies aber wieder auf.

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Wer’s nicht lassen kann mit dem Internet

Spätestens nach fünf Tagen kompletten Offline-Seins werden die meisten Digital Natives etwas zappelig (ok, auch mir als Digital Immigrant erging es so) – schliesslich möchte man gerne die schönen Bilder mit seinen Freunden daheim teilen. Restaurants in grösseren Städten (die grösste Stand, an welcher wir vorbeikamen, war Mörön mit ca. 28’000 Einwohnern) sowie Museen bieten oft kostenloses WLAN. Sogar eines der Jurtencamps hatte (sporadisches) WLAN.

Entlang der Hauptverkehrswege sowie in Dörfern und Städten ist die Mobilfunkabdeckung ziemlich gut. In vielen Tälern hat man aber gar keinen Empfang, geschweige denn 3G/4G. An Roaming sollte man gar nicht erst denken – die Preise erinnern an die Anfangszeiten des Mobilfunks. SIM-Karten mit Datenguthaben – z.B. von Mobicom –  beschafft man sich am besten zu Beginn in der Hauptstadt.

Im Dragoman-Lastwagen gabs USB-Ladedosen und teilweise verfügten die Jurten sogar über Strom (praktisch, um den Akku der Kamera aufzuladen). A propos Kamera: Nützlich sein können ein Stativ (z.B. um den Sternenhimmel einzufangen), ein Polfilter (damit der schöne blaue Himmel denn auch so richtig schön blau aussieht) sowie ein Weitwinkel-Objektiv (aus offensichtlichen Gründen)

Auch zu empfehlen: Eine Tracking-App wie Fabric installieren. Diese erhöht zwar den Stromverbrauch des Smartphones erheblich, dafür zeichnet sie aber automatisch die Reiseroute auf einer Karte auf (dies funktioniert auch ohne Datenempfang – und der GPS-Empfang in der Mongolei könnte besser nicht sein) und fügt die mit dem Handy gemachten Fotos in die Route ein. Sehr nützlich für alle, welche im Nachhinein wissen möchten, wo genau man eigentlich durchgefahren ist (nach einem Tag durchs Gras fahren kann man die Orientierung schnell einmal verlieren).

Ein Leckerbissen für Geo-Nerds: In der Mongolei liegt der Kreuzungspunkt des 50. Breiten- und 100. Längengrades (wir fuhren zwei Kilometer entfernt daran vorbei). Im nahegelegenen Mörön gibt es denn auch ein “50° 100°”-Hotel.

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Keine Kommentare

  • Reply nara 18. Februar 2017 at 16:07

    super gemacht! sehr interessant

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