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Bolivien und unsere Reise auf dem Altiplano

Altiplano ist das Naturjuwel von Bolivien. Auf dem Hochplateau laufen langbeinige Lamas, kuschelige Alpakas und zärtliche Vikunjas. Die grandiosen Bergketten sind mit Schnee wie mit Zuckerguss bedeckt. Die Geysire zischen aus der Erde, während die regenbogenfarbigen Wolken vorbeiziehen. In den Lagunen, die ihre Farbe je nach Wind ändern, hausen rosaroten Flamingos. Was sich wie ein Märchen anhört, ist aber noch nicht einmal der Höhepunkt der Reise, denn die Krone gehört zweifellos der riesigen weissen Salzwüste – Salar de Uyuni.

Unsere Organisation der Reise

Es gibt mehrere Tour Anbieter im Internet. Nicht auf allen Seiten sind die Informationen aktuell – es kann sein, dass gewisse Touren nicht mehr angeboten werden, oder die Preise sich geändert haben. In jedem Fall sollte man mehrere Anbieter anschreiben – so werden Fragen geklärt und auch überprüft, wie schnell ein Anbieter erreichbar ist. Viele kommunizieren am liebsten über Email und beantworten Anfragen innerhalb von Stunden.

Unsere 3-Tages Tour haben wir bei einem lokalen Anbieter (Salar Uyuni Tours) vor Ort gebucht, 5 Tage im Voraus. Die Kommunikation verlief gut und die Tour sollte in einer Gruppe von 6 Personen mit einem englischsprechenden Guide stattfinden und 180 USD kosten, inklusive Verpflegung und Übernachtung.

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Eine Alternative wäre eine Privattour gewesen, mit eigenem Fahrzeug, Fahrer und besseren Unterkünften sowie flexiblerer Route. Diese Option hätte je nach Anbieter rund um 3000 USD für 2 Personen gekostet. Wir dachten uns aber, da es uns auf die Natur und nicht auf Hotels bei dieser Tour ankommt, ist die günstigere Option vernünftiger.

Wir haben uns geirrt! Am Abend vor der Tour wurde uns mitgeteilt, dass es keinen Englisch sprechenden Guide gibt, und wir dementsprechend weniger zahlen müssen. Nun, 20 Dollar Reduktion pro Person ist nett, macht aber die Tatsache, dass wir kein Spanisch sprechen und die ganze Zeit auf die begrenzten Englisch Kenntnisse der spanischen Mitreisenden angewiesen waren, nicht wett. Zum Glück waren die Leute in unserer Gruppe nett und haben uns immer gesagt, wieso wir da oder dort angehalten haben, und wie lange wir rumlaufen dürfen. Aber die eigentlichen Showstopper sind die Unterkünfte. Juli ist ein Wintermonat in Südamerika, und es wird vor allem in der Nacht, besonders auf solcher Höhe sehr kalt (-10 Grad).

Auch am Tag empfiehlt es sich, eine warme Jacke anzuhaben. Sobald die Sonne untergeht, fallen die Temperaturen drastisch, da will man nur eine heisse Dusche und ein warmes Bett. Doch die Unterkünfte, welche als „Basic“ verkauft werden, beinhalten dies teils nicht. Erstens, sind es einfache Steinbauten mit Löchern in allen Ecken, ohne Isolation. Das heisse Wasser gibt es eher zufällig und es kann Stromausfälle geben. Wir haben zum Beispiel bei Kerzenlicht auf das Abendessen gewartet. Das Essen wird übrigens von Uyuni für alle 3 Tage mitgeführt, und vor Ort gekocht. Zum Glück konnten wir Bier kaufen, welches angesichts herrschenden Minus Temperaturen immer ganz schön kühl war. Natürlich versuchten wir, die Situation mit Humor zu nehmen und das Beste daraus zu machen, doch im Schlafsack unter mehreren Decken zu frieren möchte ich nicht wiederholen.

Die Basic Unterkünfte sind übrigens alle vergleichbar, wer sich darauf einlassen möchte, sollte die genaue Tourbeschreibung mit den Unterkunftsnamen verlangen und nach Erfahrungsberichten und Bilder googeln.

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Die Tour

Die Bewirtschaftung der Unterkunft eine Katastrophe, dafür war die Natur einfach grandios!

Salar de Uyuni – Die Salzwüste

Was für Peru Machu Picchu ist, ist für Bolivien Salar de Uyuni – ein Naturwunder. Die endlose weisse Ebene, wo das Salz der Erde buchstäblich unter den Füssen liegt. Während der Regenzeit bedeckt eine Wasserschicht die Salzwüste, und der Himmel spiegelt sich darin. So entstehen unglaubliche, fantastische Fotoaufnahmen. In dieser Zeit können die Jeeps die Wüste nicht passieren und bleiben am Rande. In der Trockenzeit dagegen werden Touren mit Jeeps, Quads und Motorräder angeboten. Beim Fahren entsteht die Illusion, als ob man über die weisse Oberfläche fliegen würde. Das ist aber nicht die einzige Illusion – in Salar de Uyuni wird mit Entfernung und Grösse gespielt: entfernte Objekte erscheinen viel kleiner im Vergleich zu den näheren, und so entstehen optische Täuschungen. Dieses Phänomen wurde zu einer beliebten Aktivität bei den Touristen und im Web sowie auf Instagram gibt es viele witzigen Bilder dazu.

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Laguna Colorada – Heimat der Flamingos

Weiter im Süden passierten wir wundersame Steinformationen, begegneten Lamas, und überquerten die halbgefrorenen Flüsse. Die Krönung des Tages war der Ankunft bei der Laguna Colorada, welche nicht nur durch ihre rote Farbe berühmt ist, sondern auch, weil sie drei Flamingo Arten beheimatet. Tatsächlich waren viele Vögel aus der Ferne zu sehen. Man darf sich dem Ufer leider nicht nähern, dementsprechend wäre ein Feldstecher von Vorteil.

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Geysire auf 4800m

Was das Höhenprofil betrifft, sind die Geysire auf 4800 Meter der Höhepunkt der Reise. Direkt aus der Erde werden Dampf und Wasser geschossen und bieten ein wahres Naturspektakel. Wisst ihr, wie es sich anfühlt, in so einer Wolke zu stehen? Es ist warm, doch die kleinen Wassertropfen gefrieren sofort auf der Jacke und der Gestank nach faulen Eier ist auch nach zwei Tagen nicht von der Kleidung wegzukriegen. Die Mutigsten können in naheliegendem Naturpool baden gehen. Das Wasser ist zwar sehr warm, doch aus- und anziehen muss man sich draussen, in eisiger Kälte. Von unserer Gruppe verspürte niemand Lust dazu, baden zu gehen, doch der Pool war auch so mit anderen Touristen voll.

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Laguna Verde – Grün bei Wind

Zum Abschluss erreichten wir die Laguna Verde. Sie ist benannt nach ihrer hellgrün leuchtenden Farbe, welche nur beim Wind zum Vorschein kommt. Bei unserem Besuch war es leider windstill und die Lagune hatte eine gewöhnliche Seefarbe. Dafür waren die schneebedeckten Berge rundum sehr imposant, und auch die regenbogenfarbigen Wolken, welche ich zum ersten Mal erlebt habe, wurden zu meinem Highlight.

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Die Laguna Verde liegt sehr nah an Chili und einige unserer Mitfahrer sind dort über die Grenze weitergereist. Wir machten uns auf die achtstündige Rückfahrt nach Uyuni und erwischten im Anschluss den Nachtbus nach La Paz.

La Paz – Boliviens Grossstadt

Bolivien ist kulturell zweigeteilt. Das Hochland und Flachland haben unterschiedliche Glauben, Bräuche, Essen und Lebensweisen. Die Region rund um La Paz ähnelt eher Peru, doch La Paz hat sicherlich das eigene Gesicht. Eingebettet in einem riesigen Kessel mit zwei Hügel in der Mitte ist es landschaftlich die spannendste Stadt, welche ich je gesehen habe. Die steilen Hänge von dem “Kessel”, sind genau wie der Boden, dicht bebaut. Am Abend, wenn die Lichter eingeschaltet werden, ergibt sich so ein wunderschönes Bild der funkelnden Wände, welche das Stadtzentrum umrunden.

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Mi Teleferico – Der Skilift in La Paz

Tripadvisor weiss es und wir können es nun auch bestätigen: die beste Aussicht auf die Stadt hat man von der städtischen Gondelbahn. Es gibt drei Linien (Gelb, Grün, Rot)  welche sich durch die Stadt ziehen. Wir sind mit der gelben gefahren. Für nur 3 BOB pro Weg ein tolles und günstiges Erlebnis und definitiv ein Muss, denn die Gondeln fahren tief über die Dächer von nicht fertig gebauten Häuser und gewähren einige Einblicke in die einheimischen Haushälter. Es gibt übrigens viele Häuser, die nicht fertiggestellt sind. Die Erklärung dafür ist, dass die Steuer auf die fertige Häuser viel höher ist und so ziehen es die Menschen lieber vor, dort das Leben in unvollendeten, dafür günstigeren Häusern zu verbringen.

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Der Hexenmarkt – Der Ort für jedes Mittel

Wer mal ein Lama Fötus braucht, ist auf diesem Markt goldrichtig. Die Hexenshops reihen sich auf zwei gekreuzten Gassen mitten in La Paz auf und bieten jegliche Zaubermittel, die man sich vorstellen kann. Die kleinen Fläschchen, Salben und Pulver füllen die staubigen Regale und Harry Potter hätte hier sicher seine Vorräte füllen können. Doch es ist keine Touristen Attraktion, die Einheimischen machen wirklich Gebrauch davon. Es ist üblich, auf den Hexenmark zu gehen und sich ein “Palette” von Zaubermitteln zu bestellen. Zubereitet wird sie von den Ladenhüter gemäss den Kundenbedürfnissen. Hat man Liebeskummer, stimmt das Geld nicht oder wird eine Veränderung gebraucht? Auf dem Hexenmarkt gibt es für alles eine Lösung.. Zum Glück nicht zum Essen, sondern zu Verbrennen. Während die Lamaföten und Amazonas-Kräuter verglühen, wird ein Bier dazu getrunken.

Gustu Restaurant – Wohl das beste einheimische Restaurant

Gegessen haben wir im berühmten Gustu Restaurant, welches bereits die ganze Welt auf sich aufmerksam gemacht hat. Während wir Besucher uns über die feinsten Kreationen aus den bolivianischen Produkten freuen, bedeutet das Restaurant für die Einheimische ein Ort, an welchem ihre Küche eine neue Bedeutung bekommt. Vor Ort gibt eine Schule, wo sie die Kochkünste erlernen können, ein Shop, wo die einheimischen Produkte gekauft werden können und eine grosse logistische Organisation dahinter. Das Essen schmeckt sehr gut – man wählt von der Karte oder lässt sich bei einem fünf- oder siebengängigen Menu überraschen. Der aus Dänemark stammende Gründer kommt persönlich bei jedem Tisch vorbei und stellt einen Teil des Menüs vor.

Bolivien ist sicher eine Reise wert. Wer jedoch von Peru kommt, stellt in La Paz und in der Uyuni Umgebung ausser der Währung nicht viele Unterschiede fest.

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6 Kommentare

  • Reply Sabine von Ferngeweht 13. September 2016 at 19:07

    Da habt Ihr wohl etwas Pech gehabt mit Eurer Tour. Wir konnten uns seinerzeit dicke Schlafsäcke leihen (gefroren haben wir trotzdem 😉 ). Das Essen unserer Köchin war super (an jedem der vier Tage). Dass wir einen spanischsprachigen Guide haben würden, sagte man uns vorher. Wir durften am Ufer der Laguna Colorada entlangspazieren und kamen den Flamingos so ganz nah. Und bei der Laguna Verde kommt es wohl nicht auf den Wind an, sondern auf die Tageszeit. Wir waren mittags da, und der See war komplett grün. Schade, dass es Euch offenbar nicht so gut gefallen hat. Für uns war die Tour eines der Highlights unserer vierwöchigen Bolivien-Reise.

    • Reply Kevin 18. September 2016 at 16:15

      Danke für deine Erfahrung, obwohl die Natur und der Ausflug sehr eindrücklich und toll war, hatten wir wirklich nicht nur Glück. Es war aber eine sehr tolle Erfahrung 😉 PS: Uns hat das ganze sehr gefallen, lass dich durch unsere 1-2 negativen Äusserungen nicht täuschen.

  • Reply Thomas 14. September 2016 at 9:26

    Hallo,
    sehr interessanter und informativer Bericht. Ist eine Privattour dann wirklich so teuer und kostet 3.000 USD? Das mit der Kälte kann ich nachvollziehen. Bei unserer Reise durch Indonesien hatten wir eine Unterkunft beim Vulkan Bromo und es war einfach Nachts kühl und ich habe alles genommen was mich irgendwie wärmte.
    Nächstes Jahr im Mai / Juni werden wir Peru und Bolivien bereisen und freue mich darauf. Werde dann warme Sachen einpacken. Wie sind denn die nicht einfachen Unterkünfte im Vergleich?
    Vg Thomas

    • Reply Kevin 18. September 2016 at 16:18

      Hallo Thomas, danke für dein Feedback. Vielleicht bekommst du sie auch günstiger, aber Privattouren sind oft nicht günstig. Wie die Unterkünfte dort sind, kann ich dir leider nicht genau sagen, da wir diese immer nur beim Vorbeifahren von aussen gesehen haben. Wir wünschen euch auf jeden Fall viel Spass. Übrigens findest du auf unserem Blog noch jede Menge Beiträge zu Peru 😉
      Lg Kevin

  • Reply Sonja 15. September 2016 at 13:57

    Oh, Mann! Da hattet ihr aber Pech. Die bittere Kälte kann ich mir lebhaft vorstellen. Dafür habt ihr aber unglaublich tolle und einmalige Fotos. Vor allem das Flamingo-Foto würde ich sofort in mein Wohnzimmer hängen 🙂
    Lg Sonja

    • Reply Kevin 18. September 2016 at 16:19

      Danke Sonja, es war eine tolle Erfahung und wir fanden die ganze Reise ja trotzdem super.

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